Kunst kommt ans Licht

von Karl Daniel, DER WESTEN, 07.01.2008

Große Skulpturen von Prof. Irmin Kamp wurden von „Seewerk“ aus einer Scheune in Grevenbroich nach Moers geholt. Sie sollen am Silbersee in neuem Glanz erstrahlen.

MOERS. Als sie anfing an der Düsseldorfer Kunstakademie, war gerade die Beuys-Ära zu Ende gegangen, erinnert sich Prof. Irmin Kamp. Wobei sein Rausschmiss nur formal war – „ich sah ihn auf den Fluren der Akademie häufiger als jeden anderen Professor“, bemerkt die Künstlerin, die auch als Lehrende bis heute eine umfangreiche Wirkung hat. Vielen ihrer eigenen Arbeiten ging es nicht so gut. 1974 hatte sie ihre Professur angetreten, aus dem gleichen Jahr stammt eine Gruppe von meterhohen schwarzen „Pilzen“; auch sie schlummerten jahrelang in einer alten Scheune in Grevenbroich – bis zum Wochenende.

Die rührigen Betreiber des „Seewerks“, das am Silbersee im Süden Moers‘ auf dem Gelände der ehemaligen Dujardin-Fabrik angesiedelt ist, hatten sich bereits im Vorjahr mit einer Ausstellung der Werke von Kamp-Studenten verdient gemacht, und aus der Bekanntschaft mit der Künstlerin entstand der Plan, die früheren Arbeiten der Kunstprofessorin wieder ans Licht zu holen.

Abguss einer Palme aus der Karibik
Angelika und Frank Merks vom „Seewerk“ hatten die nötigen Transportmöglichkeiten. Mit einigen Helfern drangen sie am Samstag in das Halbdunkel der Scheune ein. Im Licht schnell aufgestellter Scheinwerfer enthüllte sich ein wenig erfreuliches Bild: Die Teile von umfangreichen Plastikgruppen waren nachträglich zu einem riesigen Berg zusammengestapelt worden. Von dicken Schmutzschichten überzogen, teils verkratzt und vielfach sogar ernsthaft beschädigt, warteten sie auf eine bessere Zukunft.

Irmin Kamp: „Ich freue mich, dass wir meine Arbeiten hier herausholen können. Sie sollen restauriert und in einer Ausstellung wieder zugänglich gemacht werden.“ Natürlich im Seewerk; einige der Plastikgruppen können hier auch einen dauerhaften Platz finden.

Neben den sechs schwarzen Pilzfiguren aus dem Jahre 1974 lagerte in Grevenbroich auch eine Gruppe von riesigen, rund zwölf Meter langen Abgüssen einer originalen Palme aus der Karibik, die sie auf Tobago angefertigt hatte. Die kräftig blau gefärbten Kunstharzteile sind noch sehr unansehnlich.

Den größten Platz nahmen 32 etwa einen Meter lange Figuren ein, die entfernt an kleine Gewächshäuser erinnern. Jedes von ihnen hat individuelle Krümmungen und Abmessungen, so dass sie zusammen ein unregelmäßig kurviges Gebilde darstellen sollten. „Ich hatte damals allerdings einen Gehilfen, der hat mir im Übereifer alle Nummerierungen von den 32 Einzelteilen entfernt – ich habe sie nur nach dem Augenmaß wieder zusammensetzen müssen.“ Was nicht unbedingt komplett gelang …

Als Irmin Kamp die 32 kleinen Häuschen aus England nach Deutschland brachte, entspann sich an der Grenze ein Disput mit dem Zoll. Die Einfuhr von Kunst hatte so ihre Tücken. Bis, so Irmin Kamp schmunzelnd, ein leitender Zollbeamter an den Transporter herantrat, einen Blick auf die Teile warf und verkündete: „Das ist keine Kunst, das nehme ich auf meine Kappe“.

Eine dritte große Gruppe sind fünf riesige weiße „Zwiebeltürme“, von der Künstlerin bereits 1971 geschaffen. Sie könnten am Ende auf dem Silbersee eine prächtige Präsentationsfläche finden.

Bis dahin muss aber noch viel gereinigt und restauriert werden an den Werken, die nunmehr im „Seewerk“ angekommen sind. In einem Fall hatte sich jemand sogar ein Stück aus einem „Gartenhäuschen“ herausgeschnitten. Vielleicht hatte man auch hier vermutet, dass es sich ja wohl nicht um Kunst handele…

Schwarze Pilze
Die gesamte Aktion wird – vom Abtransport bis zur Ausstellung – auf Video dokumentiert. Die „Black Mushrooms“ von Irmin Kamp waren u.a. im „Pavillon der Bildhauerei“ zu sehen, die Kunsthochschul-Rektor Markus Lüpertz für die Düsseldorfer „Quadriennale 2006“ zusammengestellt hatte.

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